Liebe Eltern,

geht es Ihnen im Moment auch so wie vielen anderen Eltern von 13-bis 18-jährigen, die sich um die Entwicklung Ihrer Kinder besondere Sorgen machen? Sorgen darüber, Ihr Kind könnte abhängig werden von irgendeinem legalen oder illegalen Rauschmittel? Mögen Sie die leidvollen Folgen von Drogenkonsum ihren Kindern in noch so abschreckender Form vor Augen führen, mögen Sie Drogen jeder Art auch strikt verbieten - immer wieder machen Eltern die Erfahrung, dass dies nichts nützt; dass ihr Sohn, ihre Tochter Probleme bekommt; dass sie im Umgang mit Alkohol, Süßigkeiten, Diäten oder anderen Drogen keine Grenzen finden konnten. Sollen Eltern sich etwa keine Sorgen machen, wenn sie beobachten, dass Kinder die Wirkung zum Beispiel von Zigaretten oder Alkohol nicht nur testen, sondern diese Dinge regelmäßig und ausgiebig konsumieren? Wenn geselliges Beisammensein oder gemeinsame Unternehmungen ohne Alkohol nicht mehr denkbar sind, wenn am Wochenende nur noch „Volllaufenlassen“ angesagt ist, wenn ein sturmfreies Haus unweigerlich zu Sauforgien führt - dann kann man eigentlich nur hoffen, dass der Kater folgt. Wo ist die Grenze? Das wissen viele der 13- bis 18-jährigen oft selber nicht. Deshalb versuchen manche, im Umgang mit Alkohol, Nikotin, Essen oder Nicht-Essen herauszufinden, wie weit sie gehen können ohne „abzustürzen“ - aber auch, wie weit sie gehen müssen, um von den Freunden, den Tonangebenden in der Clique anerkannt zu werden. Um die eigenen Grenzen auszuloten, um herauszubekommen, wer sie eigentlich selber sind und sich mit ihrem So-Sein von den anderen abzugrenzen, gehen die 13- bis 18-jährigen manchmal abenteuerliche Wege.

Die Balance zu finden zwischen Freiraum-Lassen und Grenzen-Setzen ist eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben in dieser Altersstufe. Je mehr Möglichkeiten Eltern den Jugendlichen lassen, auf ihre Art Grenzen abzustecken, um sich zum Erwachsenen entwickeln zu können - umso besser. Ob beim Sport, ob in der Schule, ob im Freundeskreis: Das stolze Bewusstsein „Ich habe es geschafft“ bewirkt ein ganz besonderes, befreiendes Gefühl der Befriedigung und des Vertrauens in das eigene Können - und fördert so die weitere persönliche Entwicklung.

Immer dann jedoch, wenn die Jugendlichen ihre eigenen oder die elterlichen Grenzen, die der Schule oder des Freundeskreises überschritten haben, dann brauchen sie Vater und/oder Mutter, damit diese ihnen möglichst frühzeitig und angemessen die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen führen. Das aber können Eltern nur, wenn sie wissen, was zu tun ist, damit ihre Kinder zufriedene und unabhängige Erwachsene werden. Informieren Sie sich!

Sollten Sie Fragen haben, Informationen oder Unterstützung wünschen, können sie über die Schule mit mir Kontakt aufnehmen.

 

Hier noch einige, wie ich hoffe, nützliche Ratschläge:

 

Verständnis schützt…

Der Ablöseprozess von den Eltern ist in vollem Gange. Clique und Freund werden immer wichtiger. Eigene Werte und Normen müssen gefunden werden und die meisten Schülerinnen und Schüler des 7.-10.Jahrganges stellen sich, auch wenn sie es nicht wahr haben wollen, eine Menge Fragen, die alle in einer gipfeln: Was soll ich aus meinem Leben machen?

  • Welchen Beruf soll ich lernen, auf welches Studium hinarbeiten?
  • Wie sind meine eigenen Leistungserwartungen? Wo sind meine Grenzen?
  • Welche Leistungserwartungen haben meine Eltern an mich?
  • Welche Chancen habe ich mit meinem Berufswunsch? Werde ich gebraucht?
  • Wie steht es später mit meiner materiellen Sicherheit?

Viele Eltern wünschen sich andere Zensuren und Abschlüsse als ihre Kinder und oft gibt es deswegen Streit in der Familie. Auch die Jugendlichen sind häufig unzufrieden mit sich selber, weil sie die Leistungserwartungen der Eltern nicht erfüllen können - und leidendarunter. Lassen Sie auch bei einer Mathe-Fünf ,,Fünfe gerade“ sein Vertrauen Sie Ihrem Kind. Helfen Sie ihm, Lösungen zu suchen. Hören Sie ihm zu!

 

Wissen schützt ...

Wussten Sie

  • dass wesentlich mehr Jugendliche mit den legalen Drogen (Zigaretten, Alkohol, Medikamente etc.) Schwierigkeiten haben als mit illegalen Drogen (Haschisch, Marihuana, Heroin etc.)?
  • dass diejenigen Jugendlichen, die Zigaretten rauchen, deutlich schneller dazu neigen, Haschisch und Marihuana zu konsumieren, als Nichtraucher?
  • dass Jugendliche aus der Party-Drogenszene (Ecstasy, Speed und Kokain), die nicht in eine Abhängigkeit abgerutscht sind, berichten, dass ihre gut informierten Eltern ihnen sehr dabei geholfen haben?
  • dass auch unkontrollierbares Essverhalten mit Folgen wie Magersucht oder Ess-/Brech-Zwang zu den Suchtkrankheiten gezählt werden kann?

 

Angemessenes Eingreifen schützt…

  • Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter, auch wenn es schwierig ist. Suchen Sie eine gute Stunde, um mit Ihrem Sohn, Ihrer Tochter über deren Ängste zu sprechen; über die Risiken, die er oder sie eingeht, wenn sie auf Partys die eigene Grenze suchen. Wenn Eltern und Lehrer/innen nicht mehr zuhören, suchen sich Jugendliche anderswo Verständnis.
  • Bestärken Sie Ihr Kind bei positivem Verhalten - mag es auch noch so erwachsen und unabhängig scheinen.
  • Konflikte zwischen Erwachsenen und Jugendlichen im Alter von 13bis 18 Jahren sind normal. In einer Atmosphäre von Offenheit und Wertschätzung lassen sich die meisten Konflikte lösen. Für Ehrlichkeit und Offenheit haben Ihre Kinder jetzt eine besonders empfindliche Antenne.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es über alle Sorgen und Probleme mit Ihnen reden kann. Aber drängen Sie sich nicht auf.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind. Auch über (Ihr) Konsum-, Genuss- und Suchtverhalten. Räumen Sie dabei ruhig selbstkritisch auch eigene Fehler ein (wer ist schon ohne?).
  • Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Streiten besser ist, als Konflikte in sich „hineinzufressen“. Streiten kann man lernen.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind, eigene Hobbys, Interessen und Aufgaben zu finden, die Spaß machen, Sinn geben und Herausforderungen beinhalten, an denen es wachsen kann.

Patentrezepte gibt es sicherlich nicht. Jeder Mensch ist anders. Suchen Sie Gespräche mit Menschen, von denen Sie annehmen, dass sie kompetent sind, Lösungswege aufzuzeigen, wenn Sie Schwierigkeiten in der Entwicklung Ihres Kindes sehen. Scheuen Sie sich nicht, möglichst frühzeitig Rat einzuholen, wenn Sie in Sorge sind. Vorbeugen ist besser als heilen.

Andere Eltern, die Klassenlehrer/innen und ich als Beratungslehrerin, sowie außerschulische Stellen, d.h. Beratungsstellen bei Wohlfahrtsverbänden und der Stadt können Sie dabei unterstützen.

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