Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6a und 6b erhielten am 21.11.2017 die seltene Gelegenheit, einen Einblick in eine laufende archäologische Grabung in der Nähe unserer Schule zu gewinnen. Bei Auskiesungsarbeiten in der „Knappheide“ waren nämlich bei Voruntersuchungen Hinweise auf archäologische Befunde aufgetreten, die sich in der intensiveren Erforschung zumindest als große Überraschung, wenn nicht als kleine Sensation herausstellen sollten.

Denn es zeigte sich, dass es sich bei den Funden um ein (früh-) fränkisches Gräberfeld handelt, was für den unteren Niederrhein sehr selten ist. Da die Franken als „Nachfolger“ der Römer anders als diese keine großen Siedlungen anlegen, sondern (am Niederrhein) eher in verstreuten Gehöften und kleinen Dörfern lebten, sind größere Gräberfelder (an die 90 Bestattungen in der Knappheide) eine Rarität.

Ausgrabung Knappheide
Gräberfeld in der Knappheide
 
Weil die Auskiesungsarbeiten aus wirtschaftlicher Notwendigkeit fortgesetzt werden müssen, gab es für die Archäologen nur recht kurze Zeit, um die Funde zu bergen und zu dokumentieren.
Dennoch waren sie bereit, unseren Schülerinnen und Schülern einen sehr interessanten Einblick in ihre laufende Arbeit zu ermöglichen. Weil einerseits die Bagger bereits in wenigen Tagen wieder ihre Arbeit aufnehmen müssen und andererseits die „öffentliche Bekanntgabe“ des Fundes nahe an das Grabungsende gesetzt werden sollte, um potentiellen Raubgräbern keine Gelegenheiten zu bieten, ergab sich für einen Besuch nur ein sehr kleines Zeitfenster, weshalb die Exkursion nur kurzfristig und spontan durchgeführt werden konnte.
Mit großem Interesse machten sich die Klassen 6a und 6b (begleitet von Frau Ruhwedel und Herrn Bungenstock) auf die etwa drei Kilometer lange Wanderung zum Fundort, wo wir von den leitenden Archäologinnen des LVR schon erwartet wurden. Leider spielte das Wetter dabei nicht wirklich mit, was der Neugier jedoch keinen großen Dämpfer verpassen sollte.
 
Ausgrabung Knappheide
 
Vor Ort erhielten wir einen sehr interessanten und unverfälschten Einblick in die Arbeit von Archäologen, die gemachten Funde und die besonderen Umstände der aktuellen Grabung. Wie wir bei der Exkursion erleben durften, weist das Gräberfeld in der Knappheide unter anderem die Besonderheit auf, dass hier Feuerbestattungen in unmittelbarer Nähe zu Erdbestattungen stattgefunden haben müssen, so dass ein kultureller Wandel innerhalb der Frankenzeit auf wenigen Metern direkt vor Augen geführt werden konnte.
 
Ausgrabung Knappheide
Erdbestattung mit erhaltenen Schalungsresten (dunkel)
 
Zudem konnten wir einige Funde, wie ein Schwert oder verzierte Keramik, die als Grabbeigabe erhalten blieben, „in situ“ betrachten - also unverändert an genau jener Stelle, wo sie vor über 1000 Jahren abgelegt wurden, was eine unmittelbare und ungefilterte Erfahrung von Geschichte möglich machte.
 
Ausgrabung Knappheide
Keramik als Grabbeigabe
 
Wir danken dem LVR für die einmalige Möglichkeit, uns so kurzfristig einen spannenden und außergewöhnlichen Einblick in unsere regionale Geschichte ermöglicht zu haben, der uns gezeigt hat, dass „Geschichte“ in gewisser Weise ein „Puzzle“ ist, das äußerst spannend und immer wieder überraschend bleibt - auch bei „Wind und Wetter“.
 

Einen kurzen Film-Beitrag zur besuchten Grabung finden Sie >> in der WDR-Mediathek bzw. >> hier.

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